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1955 bis 1961

Meine ersten Erinnerungen gehen wohl zurück auf mein drittes Lebensjahr. Wir wohnten damals in Höhenhaus in der Honschaftsstrasse. Gegenüber unseres Hauses war eine leichte Anhöhe mit einem unbebautem Platz. Meine Eltern verabschiedeten einen Besucher und ich bin auf jenen "Hügel" gelaufen, damals war der Strassenverkehr noch recht überschaubar. Tja, und dann bin ich mit meinen 3 Jahren mit "Schmackes" den Hügel runter, quer über die Strasse - und zack mit dem einzigen Mopped, das in dieser Woche durch die Strasse fuhr, zusammen gestoßen. Ergebnis war ein Bruch des rechten Schlüsselbeins.......

Weitere Erinnerungen an meine Kindheit habe ich recht wenige. Mit meinem Opa habe ich wohl recht oft im Garten "gearbeitet", und an die damaligen Geschäfte in der Honschaftsstrasse erinnere ich mich noch. Es gab noch einen richtigen Lebensmittelhändler und einen Metzger, das Wort Supermarkt war noch nicht erfunden. Karneval wurde ich als Cowboy gestylt, aber so richtig konnte ich mich wohl damals schon nicht damit anfreunden. Karneval ist bis heute nicht mein Ding.

Zu Hause sorgten meine Großeltern und meine Mutter den ganzen Tag für mich, so dass der Besuch eines Kindergartens, damals eine heilige Institution der Katholischen Kirche, nicht notwendig war. Einmal, im Alter von 6 Jahren sollte ich so quasi als Vorbereitung auf die Schule, für einige Tage "einrücken", aber nach 2 Tagen war das Abenteuer beendet. Der Kindergarten war eine Ganztageseinrichtung mit Mittagsschlaf. Das war ich schon mal gar nicht gewohnt - dem entsprechend konnte ich natürlich auch nicht schlafen. Überflüssig zu erwähnen, dass die anderen Kinder an diesen beiden Tagen auch nicht schliefen.

Am 25. April 1962 war es dann soweit, der erste Schultag. Damals begann ein neues Schuljahr nach den Osterferien. Stolz wie Oskar präsentierte ich mich mit meiner Schultüte; war schon toll zur Schule gehen zu dürfen. Leider gab es am zweiten Tag dann keine Schultüte mehr, jetzt begann mein Kampf mit der so zerbrechlichen Schiefertafel.

 


Die ersten eineinhalb Schuljahre ging ich auf die Katholische Volksschule Höhenhaus in der Honschaftsstrasse. An diese Zeit habe ich nur wenige Erinnerungen. Das erste Klassenzimmer war noch in einer baufälligen Baracke aus ganz dunklem Holz - wohl ein Überbleibsel aus Deutschlands "brauner Zeit". Auch in der Schule wurde Karneval gefeiert - ich wieder mal als Cowboy :-(
Und bei der berühmten Mumps Epidemie in Köln Höhenhaus - da war ich dabei....

Daheim stand wieder mal Nachwuchs an, die Wohnung im Haus meiner Großeltern wurde nun definitiv zu klein für uns. Meine Eltern, mein Bruder und ich, das ging so gerade noch; aber jetzt erwarteten meine Eltern noch ein Kind, meine Schwester. Also stand ein Umzug nach Köln Heimersdorf, Forststrasse 37 an, und damit auch ein Schulwechsel für mich. Damals wurde man noch von einer Schule an die nächste "überwiesen".
Meine neue Schule war ab Juni 1963 die Katholische Volksschule in Köln Volkhoven. Hier gab es noch Klassenzimmer mit Sitzbänken und einem Pult, die fest miteinander verschraubt waren, und Schaukeln oder Wippen mit dem Stuhl war da nicht.
Generationen von Schülern haben ihre Schnitzereien hinterlassen.
In Volkhoven war ich bis zum Attentat auf die Schule am 11. Juni 1964 Link
Ausgerechnet an diesem Tag wurde der Unterricht wegen Platzmangel auf den Nachmittag verschoben. Unser Klassenzimmer war jenes, in dem die Schüler von Ursula Kuhr überfallen und sie sowie einige Schüler getötet wurden. Warum der Unterricht ausgerechnet an diesem Tag getauscht wurde - ich hatte wohl einen guten Schutzengel.

Nach dem Attentat wurde die Schule geschlossen und die Kinder in vorgezogene Sommerferien geschickt. Ich erinnere mich noch an die Trauerfeier in der Kirche und dem Friedhof in Weiler. Wenn es mir heute mal nicht so gut geht, d.h. wenn ich mental "nit esu jot drop ben", dann fahre ich nach Volkhoven zu dem alten Schulgebäude und denke daran, was ich damals für ein Glück gehabt habe. Danach geht es mir dann wieder richtig gut.
Nach den Ferien fand der Unterricht statt in der neuen Katholischen Volksschule in Köln Heimersdorf im Lebensbaumweg. Diese Gebäude dienten aber auch nur als Übergangsprovisorium, die eigentlichen Schulgebäude am Volkhovener Weg waren noch im Bau.
Hier im Lebensbaumweg endete dann auch die Tradition der Schiefertafel. Meine Mutter war nahe an der Verzweiflung - fast jeden Monat ging so eine Tafel zu Bruch. Ab sofort wurde auf Papier geschrieben. Das verringerte aber gleichzeitig die Möglichkeiten zu pfuschen, Papier ist geduldig, so eine Heftseite kann man nicht mal so eben abwischen wie eine Tafel. Aber auch das habe ich dann irgendwann gelernt, so wie wir damals auch noch die Sütterlinschrift lernen "durften".
Und als "Themse Elli" - Queen Elizabeth II. - auf Besuch nach Köln kam, da mussten wir beim Schönschreiben wochenlang den Union Jack neben jede Zeile malen. Aber auch diese Zeit ging vorbei. Und damals bin ich sogar zum Dom / Rheinufer gefahren um der Königin mit Fähnchen in der Hand zuzujubeln. Kinder sind ja soooo leicht käuflich...